| Bilder vom 10. Tourbericht - 30. September
2007 |
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Sandsturm |
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Yinchuan, Provinz Ningxia, 10.993km;
Tag 141; noch ca. 1.300km bis Peking;
Hallo,
ich bin schon vorgestern in Yinchuan angekommen und
fahre morgen weiter Richtung Peking.
Meine Erkältungen, die ich immer bekomme, wenn ich
durch die Wüste radele, machen mir zur Zeit am meisten zu schaffen.
Gerade kämpfe ich mit einem sehr unangenehmen Husten, den ich mir beim
Sandsturm am Rande der Wüste Gobi zugezogen habe. Dort ging es aber auch
richtig heftig ab. Es beginnt wie immer mit Wind, den ich zur Genüge
kenne. Aber hier bringt er Sand mit, zunächst spürt man ihn nur ein
bisschen in den Augen. Dann dringt der Sand allmählich auch in den Mund.
Die Zähne „knirschen“. Dann hilft nur ein Tuch über Nase und Mund, wie
es hier dann plötzlich alle Chinesen tragen, und eine Brille. Die Sonne
verdunkelt sich – wohlgemerkt keine Wolke am Himmel – die Sicht beträgt
nur noch dreißig bis fünfzig Meter. Gottseidank kam der Sturm von links
hinten, so dass ich dick vermummt langsam und vorsichtig weiterfahren
konnte. Eigentlich sollte die Landschaft hier sehr schön sein, aber ich
sah nichts. Gerade dass ich den Huang He (Gelben Fluss) unter mir als
braune Brühe dahinfließen sah, ungefähr dort wo ich die Grenze von Gansu
nach Ningxia, der kleinsten Provinz Chinas überfuhr.
In Zhangye noch in der Provinz Gansu lernte ich auf
der Suche nach einer Unterkunft den Chinesen Alan kennen, der sich für
Europäer einen aussprechbaren Namen zugelegt hatte. Er war ebenso auf
Urlaub, und wir kamen schnell überein, uns ein Hotelzimmer zu teilen.
(vier Sterne für 6,50€ pro Nacht!!) Wir fuhren gemeinsam mit dem Taxi
ins Qilian Shan (Gebirge) und besuchten einige alte Klöster, die zum
Teil in senkrechte Felswände hineingehauen waren. Die Verbindungsgänge
führten steil, zum Teil mannseng, manchmal nur mit einem Seil gesichert
von einer Felsenhalle zur nächsten. Und überall schmückten buddhistische
Altäre und typisch chinesische Pagoden die Felsenlabyrinthe.
Ein andermal wanderten wir zu einem 50 Meter-
Wasserfall. Dazu mussten wir in ein Tal hinein, an dessem Eingang
Eintritt verlangt wurde!!!! Alan ließ sich sogar dazu überreden, ein
Pferd für teures Geld zu mieten, das er nach zwei Kilometern sowieso
zurücklassen musste. Zum Wasserfall wurde der Weg durch Erdrutsche so
unwegsam, dass Alan zurückblieb und ich wahrscheinlich der einzige
Tourist war, der den Wasserfall jemals aus nächster Nähe bestaunt hat.
Auf dem Weg hierher musste ich noch einmal einen
Pass von 2570m und einen von 2200m erklimmen. Es war in den Tagen so
kalt geworden, dass ich dort oben durch Schnee stapfen konnte. Welch
Gegensatz in so kurzer Zeit!
Aber es wurden alle Schwierigkeiten wieder
aufgewogen durch die „Chinesische Mauer“. Die Straßen führten nämlich
Hunderte von Kilometern an den Überresten dieses gewaltigen Bauwerks
entlang. Manchmal hatten die Straßenbauer skrupellos die Straße durch
das alte Mauerwerk geführt, aber es gibt wirklich genug davon! Man sah
die Mauer mal dünn, mal dick, mal einen Wachturm hoch, mal eingefallen,
mal ein ganzes Fort in allen Varianten des Zerfalls. In einem Fort fand
ich sogar ein chinesisches Dorf, das dort sein kärgliches Leben
fristete - und dahinter die mit frischem Schnee bedeckten
Viertausender. Für den geplagten Wüstenradler war dieser Blick die
passende Entschädigung.
Jetzt befinde ich mich zwischen Reisfeldern und
Obstbaumplantagen am Huang He dem „Gelben Fluss“ und stärke mich für die
letzten Tausend!
Bis dann Michael