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comfort-line.de > Comfort Line auf Tour > 5. Tourbericht vom 4. Juli 2007 - Atyrau

5. Bericht vom 4. Juli 2007 - Atyrau

Bilder vom 5. Tourbericht - Atyrau
Fernsehinterview in ASTRACHAN. Verpflegung für die Weiterfahrt auf dem Markt von ASTRACHAN.
Das 1. Kamel. Kasachstan.
Kinder und GRAFING No. 1 Verkehr in der Steppe.
Kasachisches Haus. In guter Gesellschaft.
Der Kameltreiber probiert GRAFING No. 1 aus. Kasachische Gastrfreundschaft.
Mein Schlafplatz. Die Moschee von ATYRAU.
Asien. Meine Unterkunft.
Supermarkt in der Steppe Kasachstans.    


Atyrau am Uralfluss, 27m unter NN am Kaspischen Meer; Tag 56; Kilometer 4445; Fahrtzeit 231Std.

Gestern verließ ich Europa. Genau bei Kilometer 4444 (!) stand ich auf der Ural-Brücke, die den europäischen Teil Atyraus mit dem asiatischen verbindet. Dass ich von Pienzenau bis zur Grenze Asiens genau viermal die „4“ Kilometer zurückgelegt hatte, ist doch ein gutes Omen für den weiteren Weg! Von Astrachan (Russland) bis hierher verlief die Reise recht eintönig. Wo in Russland noch Sümpfe und von der Wolga überflutete Wiesen die Landschaft prägten, zog sich nun nur noch die endlose, unendliche flache gelbbraune Steppe dahin. Kein Baum, nicht einmal Sträucher boten etwas Abwechslung. Neu war nur der Anblick von Kamelen, die überall am Straßenrand weideten. Auf den dreihundert Kilometern durchfuhr ich gerade mal drei Dörfer. In jedem tauchten sofort Kinder ohne jede Scheu auf und begrüßten mich mit Handschlag. Sie begutachteten hochinteressiert mein Fahrrad und das Gepäck. Innerhalb kürzester Zeit war ich umringt von einer Schar, die mich mit Fragen bombardierte – Gott sei Dank auf russisch, denn kasachisch verstehe ich erst drei Wörter. In dem Dorf Aqqystau fragte ich wieder einmal nach Wasser, denn ich musste sehr viel trinken und deshalb auf den 80km bis zum nächsten sehr viel Wasser mitführen. Die Leute gaben mir nicht nur bereitwillig von dem wertvollen Nass, sondern luden mich ohne Federlesens in ihr Haus zum Tee ein. Die Straßen und Häuser unterscheiden sich hier doch ganz gewaltig von den bisher erlebten. Die Straßen waren schlecht asphaltiert, zum Teil mit bis zu 50cm tiefen Fahrrillen, die Häuser einfache Lehmbauten, die für den verwöhnten Europäer gar wunderlich erschienen. Eine solche Lehmhütte betrat ich also nun, das erste kasachische Haus. Die Schuhe wurden im Vorraum ausgezogen, und es ging barfuß in das Wohnzimmer. Der Wohnraum war reichlich mit prächtigen Teppichen ausgelegt. Es gab kaum Möbel. Geschlafen wurde dort auf Kissen direkt auf dem Boden. Im Kochraum setzten wir uns auf Kissen um einen ca 20cm hohen Tisch. Das erste Mal im Schneidersitz, wie ich es bisher nur aus Büchern und Filmen kannte! Der Tee wurde von der Frau mit Milch und reichlich Zucker in Teeschalen serviert. Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis fuhr ich weiter nach Atyrau, während mein Gastgeber sich zum Gebet in die nahegelegene Moschee begab. Von Atyrau, der Grenzstadt zu Asien, nahm ich als erstes die strahlend hellblauen Kuppeln der Moschee und den singenden Ruf des Muezzin wahr, der die Gläubigen zum Gebet rief. Aus diesem orientalischen Traum wurde ich durch die neuen, gläsernen Hochhäuser geweckt, ja regelrecht aufgeschreckt. Jeden Wolkenkratzer schmückte der Name einer anderen Bank. Auf der breiten Straße, fast eine Avenue, tummelten sich japanische und deutsche Limousinen, so wie auf der Leopoldstraße in München. Gerade noch an die autolose, endlose, karge Steppe Kasachstans gewöhnt, fuhr ich wie betäubt die Prachtstraße im jetzt ungewohnten Straßenlärm dahin. Das schwarze Gold, das Öl, hatte dieser Stadt den Reichtum beschert, der sie so gegensätzlich von der Steppe drumherum abhob. Ich hatte zwar in der Ferne auf dem Herweg schon Ölanlagen gesichtet, aber die Folgen, wie sie hier vor mir lagen, mir nicht vorstellen können. Jetzt musste ich erst einmal an kasachisches Geld kommen, was mit dieser Ansammlung von Banken verständlicherweise nicht schwer war. Ich konnte endlich sauberes Wasser und vor allem Vitamine kaufen. Im immerwehenden Steppenwind – natürlich Gegenwind – hatte ich mich trotz der Hitze ein bisschen erkältet. Der Mangel an Essen tat sein Übriges, kurzum, ich war einfach erledigt. Ich hatte Glück! Auch hier lernte ich ohne Probleme wieder Leute kennen, die mir eine Unterkunft vermittelten. Glücklicherweise nicht eines der teuren Hotels für die Ölreichen, sondern eine kleine etwas heruntergekommene Wohnung, die meinem Geldbeutel viel eher entsprach. Hier trug ich mein Fahrrad eine enge Treppe hinauf und konnte relaxen. Ich wohne hier nun zwei Tage und beobachte den Ölreichtum, mit den Porsche-Jeeps, den eingezäunten und bewachten Villen, den westeuropäischen, gigantischen Supermärkten mit ihrem Angebotsüberfluss. Mit den Gedanken bin ich jedoch schon wieder draußen, auf der endlosen Steppe, der Stille, die genügend Zeit lässt, über das Gesehene und Erlebte nachzudenken. Es liegt aber die wohl schwierigste Etappe meiner Reise jetzt vor mir! Bis dann Michael

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