| Bilder vom 9. Tourbericht - 17. September
2007 |
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Video Einöde |
Video Gegenwind |
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Konkurrenz für Riederer in Turpan |
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Trockenhaus für Weintrauben |
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Chinesischer Winzer |
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Kinder an Raststation |
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Neue Straße durch die Wüste |
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Straßenleben in Hami - für Radfahrer lebensgefährlich |
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Nachtlager in der Steinwüste |
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Kohlenmine am Weg |
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Straße durch öde Wildnis |
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Lieblingsessen |
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Gastfamilie |
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Vorfreude |
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Erster Wehrturm |
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Tourismus |
Jiayuguan; N: 39°47´51´´; O:
98°16´03´´; 10.001km; Tag 130; 518 h Fahrtzeit
Hallo,
das waren die schwersten 1298 Kilometer meines
Lebens!!!!! 10 Tage habe ich dafür gebraucht.
Von Urumqi, das auf etwa 900m Höhe liegt, ging es
hinunter in das Turpanbecken auf ca –154m. Entsprechend heiß wurde es.
Hier machte ich erst einmal Bekanntschaft mit Wüste: Wüste aus Sand,
Wüste aus Stein, Bergwüste, Halbwüste mit hier und da ein paar Gräsern
und niedrigen Büschen, Salzwüste durfte natürlich auch nicht fehlen, na
und die Temperaturen: 40° aufwärts!
Was jedoch das schlimmste für den Pekingradler
war? - der Gegenwind, der Gegensturm, der Sch...wind! Ich hasse ihn,
ich vermaledeie ihn und bekämpfe ihn und deshalb auch die Wüste. Von
Wüste habe ich erst einmal restlos genug!!!!!!
Zu allem Unglück bekam ich in der Wüste auch noch
eine Erkältung!!
SMS ins Basislager am 1.September 13Uhr54 Ortszeit:
„Hallo, bin mitten in der Wüste und ruhe mich bei
einem Haus aus. Mir geht’s nicht sehr toll. Total erkältet, bei über 40
Grad und vollem Gegenwind.... Aber ist ok.L.G.“
Wüste kann auch schön sein. Die Farben des Gesteins
wechselten alle 100km: Rote Berge, schwarze Berge, gelber Sand, grauer
Sand, grünliches Gestein. Besonders reizvoll war die Halbwüste, wo
wenigstens ein paar Pflänzchen, wie kleine Inseln im Sand, das Herz
erfreuten. Leider gab es außer Kamelen scheinbar keine Tiere, also auch
solche Abwechslung fehlte – und das ist tödlich. Ich kann mir jetzt gut
vorstellen, wie es den Seidenstraßenkarawanen hier wohl ergangen sein
muss.
Nur ein „kleiner“ Unterschied besteht heute: Die
Chinesen bauen selbst durch solch unwirtliche Landschaften nagelneue
Straßen und Autobahnen, dass dem deutschen Truck-Fahrer das Herz hüpfen
würde. Und alle 50km steht ein handy Mast! An ihnen orientiere ich mich
und treibe mich mit diesen Zielpunkten selbst vorwärts, von einem zum
nächsten. Denn die öden kahlen Berge, die unendlichen Schotterebenen
geben wenig Halt. Die Kilometersteine sind auch sehr hilfreich. Sie
geben mir immer die Entfernung zu Peking an. Ich kann - wie die Tage auf
dem Kalender - die Kilometer abreißen; ich habe auf dem Stein 3333km
gestanden, bei 3000km einen Kopfstand gemacht, was ich dann bei 2000km
und 1000km oder erst in Peking mache, weiß ich noch nicht....
Es ging dann wieder bis auf 1800m hinauf, die
Temperatur sank auf gnädige 30° (!). Mein Hemd starrte vom Salz, das ich
Kilometer um Kilometer so ausschwitzte. An Waschen war nicht zu denken.
Ich weiß schon gar nicht mehr, was eine Badewanne ist. Aber so ein
Wasserfall, ein herabstürzender Bergbach hätte es auch getan. Nichts als
Wüste, ätzende Trockenheit, sengende Hitze und ein gottverdammter
Gegenwind. So geflucht, gegen den Wind angeschrieen, habe ich noch nie.
Mit 9 km/h ging es auf flacher Strecke manchmal nur dahin, trotzdem ich
mit voller Kraft in die Pedale trat. 7 Stunden fuhr ich gestern durch
und schaffte gerade mal 100km, dafür Muskeln mit Blei gefüllt. Wenn ich
mir nicht vorgenommen hätte, die ganze Strecke nach Peking auf dem Rad
zurückzulegen, hier war fast der Punkt erreicht, einen LKW anzuhalten,
das Rad hinaufzuwerfen und einzusteigen. So verführerisch nah, diese
LKW`s!
Als ich dann hier herunter (auf 1600m) kam, wieder
Grün, Bäume und überall der Duft von Gewürzen und Zwiebeln, begannen
meine Lebensgeister wieder zu erwachen. Das „alte China“ war erreicht.
Dort erhoben sich neben der Straße die ersten Wehrtürme und Mauerreste
der „chinesischen Mauer“, und dazu noch ein Zuckerle: der 10000ste
Kilometer. Wahnsinn! Pienzenau – chin. Mauer 10000km. Das muss man sich
auf der Zunge oder sonst wo zergehen lassen.
Natürlich gab es auch immer wieder mehr oder
weniger komfortable Raststationen für Lastwagenfahrer. Ohne die wäre ich
verdurstet und verhungert. Deshalb hier mein Lieblingsessen:
Rührei mit Tomaten, Paprika und Ingwer gebraten,
dazu Reis oder Nudeln. Die Nudeln sind eine Art von Dampfnudeln. Mit
Stäbchen kann ich schon sehr gut essen! Man sitzt übrigens nicht mehr am
Boden, sondern an Tischen. Die Tischsitten uä sind allerdings für einen
Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig. Die Kinder tragen keine Windeln,
sondern setzen sich mit ihren Schlitzhosen irgendwo einfach hin.
Letzte Nacht übernachtete ich bei einer
chinesischen Familie. Leider ist chinesisch so fremd, dass die
Kommunikation etwas haperte. Russisch war einfacher zu lernen.
Mit dem chinesischen Tourismus stehe ich auch auf
Kriegsfuß. In Bussen karrt man die Gruppen massenweise heran. Die
Denkmäler werden, wie es scheint, ohne Sinn und Verstand ziemlich
kitschig renoviert, eingezäunt und in „tourist – attractions“ (man
staune: auf englisch!) verwandelt. Die Eintrittspreise erinnern an
Florenz, das Gedränge ebenso – ich floh und suchte mir einen alten
Mauerabschnitt, so dass ich mich in Ruhe der chinesischen Geschichte
widmen konnte. Und wenn es niemand verrät: Ich ritzte in das bis 1000
Jahre alte, ehrwürdige Mauerwerk einen Wunsch hinein, und hoffe, dass er
ebenso die Entfernungen und Zeiten überdauert, genauso lange, wie dieses
2000km lange von Menschenhand geschaffene Wunderwerk bisher jeden
Wüstensturm überstanden hat.
Bis demnächst
Michael