Datong, Provinz Shanxi; Tag 153;
Kilometer 11.901, nuuuur noch ca. 390km nach Peking!!!!!! Luftlinie
263,8km!
Hallo,
hätte ich das gewusst, wahrscheinlich wäre ich
nicht durch die dreckigste, stinkigste, verrußte Industrieregion auf
meinem bisherigen Weg geradelt. Meinem Husten tat die schlechte Luft
nicht gerade gut. Geheilt wurde ich erst, als ich die Huang He Region
verlassen hatte und die weiten, windigen Grassteppen der Nei Mongol
(innere Mongolei) erreichte. Zwar heißt diese vom Huang He
eingeschlossene Landschaft Muus Shamo = Wüste, aber Wüste kann man diese
sanften Erhebungen und Senken nicht nennen. Es ging also ein paar
hundert Kilometer durch wunderschöne aber karge Landschaft bis Dongsheng
dahin, die, wie so typisch für China, als eine pompöse Stadt aus dem
Nichts mitten in der Steppe erscheint. Ich kann mich kaum daran gewöhnen
an diese Gegensätze und diese chinesische Art der ModerniÂsieÂrung. Hier
erlebte ich auch das „Mondfest“ (25.September), das mit Sylvester bei
uns vergleichbar ist, denn hier ballern die Erfinder des Schießpulvers
nur so herum, dass es überall kracht. Der Mondkuchen hingegen schmeckte
sehr lecker.
Die Steppe endete an einer fast bergigen
Hügellandschaft, die an Schönheit ihresgleichen sucht. Hier kommt ja
auch der Huang He von seinem Ausflug nach Norden zurück und zwängt sich
in kleinen und großen Schleifen durch diese Bastion hindurch wieder
Richtung Süden. Der Blick von den Hügeln hinab auf diesen ehrwürdigen
Fluss beraubt einem fast den Atem. Nur - einen Übergang, eine Brücke zu
finden, ist etwas problematisch. 50km Umweg nach Norden musste ich
fahren, ehe ich eine Eisenbahnbrücke fand, auf der ich den Fluss
überqueren konnte.
Es ging nun ewig hinauf und hinunter, einmal hörte
die Straße auf, einmal hätte mich fast ein auf nasser Fahrbahn
schleudernder Lastwagen erfasst:
SMS zur Basisstation:
26.Sept 19Uhr25
„Heute hätte es mich fast erwischt! Regen, bei
diesen vielen steilen Steigungen, schmale Straße , Lastwagen, die immer
noch fahren... Einer kommt Gefälle runter,
ich strample hoch, Lastwagen stellt sich quer über
die Straße und kommt ein paar Meter vor mir zum Stehen; wäre keine
Chance auszuweichen gewesen.
Aber mir geht’s gut. Habe in Dafan Pu Leute kennen
gelernt. Ist fast kalt hier inzwischen. Grüße Michael“
Den VorderreifenÂmantel musste ich nach 11500km (!)
treuen Diensten wechseln, und dann traf ich auch wieder auf die
„Chinesische Mauer“, die hier die Grenze zwischen Nei Mongul und Shanxi
bildet. In einem Dorf, das in einem „Chinesischen Mauer“ - Fort lag,
wurde ich sehr herzlich empfangen. Tiefstes Mittelalter, einfachstes
Leben, kein Komfort, Knochenarbeit, es ist kaum zu beschreiben! So etwas
findet man nicht in den hoch gepushten Städten. Das Problem ist immer
nur die Sprache. Was rechts des Huang He gesprochen wird, versteht links
des Flusses keiner mehr, und so geht es ständig. Chinesisch scheint für
mich fast unlernbar!!!!
Inzwischen ist es hier auch Herbst geworden. Die
Blätter der Pappeln und Birken haben sich schon in gelbe und rote Töne
verfärbt. Es regnet sogar ab und zu wieder und „...kühler wehet der
Wind“.
Es sind nun genug Kilometer mit meinem Fahrrad
abgeradelt. Ich sehne das Ende herbei, Peking und dann das „Gelbe Meer“
(Huang Hai). Der Osten soll ein Ende haben bei Kilometer - na so
ungefähr 12500km!!!!
Bis dann Michael