11. Tour-Bericht vom 2. Oktober - Die Industrie- und Mittelalter-Tour

Datong, Provinz Shanxi; Tag 153; Kilometer 11.901, nuuuur noch ca. 390km nach Peking!!!!!! Luftlinie 263,8km!

 

Hallo,

hätte ich das gewusst, wahrscheinlich wäre ich nicht durch die dreckigste, stinkigste, verrußte Industrieregion auf meinem bisherigen Weg geradelt. Meinem Husten tat die schlechte Luft nicht gerade gut. Geheilt wurde ich erst, als ich die Huang He Region verlassen hatte und die weiten, windigen Grassteppen der Nei Mongol (innere Mongolei) erreichte. Zwar heißt diese vom Huang He eingeschlossene Landschaft Muus Shamo = Wüste, aber Wüste kann man diese sanften Erhebungen und Senken nicht nennen. Es ging also ein paar hundert Kilometer durch wunderschöne aber karge Landschaft bis Dongsheng dahin, die, wie so typisch für China, als eine pompöse Stadt aus dem Nichts mitten in der Steppe erscheint. Ich kann mich kaum daran gewöhnen an diese Gegensätze und diese chinesische Art der Moderni­sie­rung. Hier erlebte ich auch das „Mondfest“ (25.September), das mit Sylvester bei uns vergleichbar ist, denn hier ballern die Erfinder des Schießpulvers nur so herum, dass es überall kracht. Der Mondkuchen hingegen schmeckte sehr lecker.

Die Steppe endete an einer fast bergigen Hügellandschaft, die an Schönheit ihresgleichen sucht. Hier kommt ja auch der Huang He von seinem Ausflug nach Norden zurück und zwängt sich in kleinen und großen Schleifen durch diese Bastion hindurch wieder Richtung Süden. Der Blick von den Hügeln hinab auf diesen ehrwürdigen Fluss beraubt einem fast den Atem. Nur -  einen Übergang, eine Brücke zu finden, ist  etwas problematisch. 50km Umweg nach Norden musste ich fahren, ehe ich eine Eisenbahnbrücke fand, auf der ich den Fluss überqueren konnte.

Es ging nun ewig hinauf und hinunter, einmal hörte die Straße auf, einmal hätte mich fast ein auf nasser Fahrbahn schleudernder Lastwagen erfasst:

SMS zur Basisstation:

26.Sept 19Uhr25

„Heute hätte es mich fast erwischt! Regen, bei diesen vielen steilen Steigungen, schmale Straße , Lastwagen, die immer noch fahren... Einer kommt Gefälle runter,

ich strample hoch, Lastwagen stellt sich quer über die Straße und kommt ein paar Meter vor mir zum Stehen; wäre keine Chance auszuweichen gewesen.

Aber mir geht’s gut. Habe in Dafan Pu Leute kennen gelernt. Ist fast kalt hier inzwischen. Grüße Michael“

Den Vorderreifen­mantel musste ich nach 11500km (!) treuen Diensten wechseln, und dann traf ich auch wieder auf die „Chinesische Mauer“, die hier die Grenze zwischen Nei Mongul und Shanxi bildet. In einem Dorf, das in einem „Chinesischen Mauer“ - Fort lag, wurde ich sehr herzlich empfangen. Tiefstes Mittelalter, einfachstes Leben, kein Komfort, Knochenarbeit, es ist kaum zu beschreiben! So etwas findet man nicht in den hoch gepushten Städten. Das Problem ist immer nur die Sprache. Was rechts des Huang He gesprochen wird, versteht links des Flusses keiner mehr, und so geht es ständig. Chinesisch scheint für mich fast unlernbar!!!!

Inzwischen ist es hier auch Herbst geworden. Die Blätter der Pappeln und Birken haben sich schon in gelbe und rote Töne verfärbt. Es regnet sogar ab und zu wieder und „...kühler wehet der Wind“.

Es sind nun genug Kilometer mit meinem Fahrrad abgeradelt. Ich sehne das Ende herbei, Peking und dann das „Gelbe Meer“ (Huang Hai). Der Osten soll ein Ende haben bei Kilometer -  na so ungefähr 12500km!!!!

Bis dann Michael

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