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SANDFLIEGENPLAGE
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GEDENKHALLE
IN WOLGOGRAD
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Denkmal in WOLGOGRAD zur Erinnerung an die Schlacht um
das ehem. STALINGRAD. |
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Rohrleitung bei WOLGOGRAD. |
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Die Region ASTRACHAN ist erreicht. |
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Es sind aber noch 291 km! |
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Stillleben im Wolgatal. |
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Mein Fahrradreifen! |
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ASTRACHAN am Kaspischen Meer. |
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Zu Gast im Bavaria-Scharaffenland in ASTRACHAN. |
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Interview mit Radio Astrachan. |
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Zu Gast im Deutschkurs des Deutschen Kulturhauses in
ASTRACHAN. |
Tag 48, Kilometer 4052,
20 Meter unter dem Meeresspiegel
Fast ein Drittel der
Strecke von München nach Peking habe ich schon geschafft und dabei jeden
Meter mit dem Fahrrad zurück gelegt mit einer Menge Gegenwind.
Vor drei Tagen bin
ich endlich in Astrachan, der letzten Stadt Europas, angekommen. Die
Landschaft neben der 450km langen Straße von Wolgograd bis hierher war
extrem. Auf der linken Seite lag der 50km breite Streifen des
Wolgabiotops mit Sümpfen, Seen, Flüssen und Wäldern, in denen sich
Tausende von verschiedenen Tierarten tummelten und auf der anderen
Seite: Steppe bis zum Horizont. Also eigentlich sehr schön, doch es kam
etwas Unvorhergesehenes dazu: Mücken!!!
Das war ätzend und
eine echte Tortur. Etwa 30km südlich von Wolgograd hielt ich an, um ein
Foto zu machen und bekam nicht einmal die Kamera aus der Tasche, denn
ein Schwarm kleiner Sandfliegen fiel über mich her, versuchte in meine
Ohren, in die Nase, den Mund und die Augen zu kriechen, und wo es
möglich war, bissen mich die Biester gnadenlos. Mir blieb nur noch die
Flucht nach vorne.
Dieses Szenario
wiederholte sich von da ab überall, wo ich anhielt. Ich konnte mich nur
vor diesen Plagegeistern retten, indem ich schneller als 20km/h radelte
oder Gegenwind hatte. Bei Rückenwind –Ich hatte wirklich einen Tag
Rückenwind, was ich nicht mehr gedacht hätte, da fuhr ich auch gleich
mal 200km - konnten sie mir in meinem Windschatten folgen und sich an
meinem Rücken vergnügen, auf Kosten meines Wohlbefindens! Ich durfte
keine Pause mehr machen, denn nach spätestens 20 Sekunden waren die
Mücken so übermächtig, dass ich es nicht mehr aushielt. Also blieb nur
eine Möglichkeit: Cafes. Ich eilte von einem Café zum anderen.
Glücklicherweise kamen im Abstand von 20-40km immer kleine Dörfer, in
denen es ein Magazin oder ein Café gab, denn man konnte sich wirklich
nur in geschlossenen Räumen aufhalten.
Die Einheimischen
hatten auch mit diesem Problem zu kämpfen. Meistens waren die Straßen
leer, wenn aber jemand aus dem schützenden Haus musste, dann nur mit
Netz über dem Kopf, was aber nur wenig nützte, wie ich feststellte, als
ich meines aus der Fahrradtasche kramte. Auch das Vanillepulver, das mir
ein Mann während eines der unzähligen Cafeaufenthalte schenkte, half
nicht sehr viel. Ich ernährte mich nur noch von Keksen, denn dem
getrockneten Fisch mit Bier, den es in den Cafes immer gibt, konnte ich
nicht sehr viel abgewinnen. Und das Kochen am Abend fiel auch flach,
denn in der Zeit, die ich benötigte das Zelt aufzustellen, waren die
Fliegen schon unter meine Windjacke, in die Hose und das Moskitonetz auf
meinem Kopf gekrochen, so dass ich nur noch in meine Unterkunft flüchten
konnte. Dort war ich die nächste halbe Stunde damit beschäftigt, alles,
was sich in meiner Nähe bewegte erbarmungslos zu töten. Ich kannte keine
Gnade und gab erst Ruhe, wenn vor mir ein Haufen lebloser
Sandfliegenleichen lag, der mich nicht mehr quälen konnte.
Ich war nach den
drei Tagen, die ich für diese Strecke benötigte, mit den Nerven und
körperlich total am Ende.
Später erfuhr ich,
dass es diese Fliegen nur drei Wochen im Juni gibt, mir entfuhr nur noch
ein: `grrrrr`.
Auf der Strecke gab
es sehr wenig Verkehr und auch sonst war nicht viel los. Für die
Bedienungen in den Bars war ich dann immer eine wilkommene Abwechslung
von der langweiligen Warterei auf Kunden.
Auch die Polizei bei
den Polizeikontrollposten an der Strasse, die es im Abstand von ca. 80km
gab, langweilte sich scheinbar extrem und hielt mich dann immer an, um
mich als einen exotischen Touristen ein wenig auszufragen und die
verschiedenen Visa in meinem Pass zu bestaunen.
In Astrachan setzte
ich mich zum ersten Mal seit Wolgograd auf eine Bank im Schatten Es
hatte schon die letzten Tage 40Grad, und ich genoss es, in Ruhe Brotzeit
machen zu können.
Wieder klar im Kopf zog ich die
Liste aller Hotels aus der Tasche und versuchte die Orte auf dem
Stadtplan zu finden. Da sprach mich wieder einmal jemand an. Ich
erklärte ihm auf russisch - ja, mein russisch wird immer besser! Mein
russisch ist inzwischen so gut, dass ich mich überall fast ohne Probleme
verständigen kann. In dem Monat Ukraine und Russland habe ich besser
russisch gelernt, als französisch in 5 Jahren Schule. - Was ich
vorhätte, und ob er mir helfen könne, die Hotels auf der Karte zu
zeigen. Anstatt mir bei der Suche zu helfen, bot er mir an, bei ihm im
`Office` zu wohnen. Ich wollte eigentlich in ein Hotel, um richtig
auszuschlafen und mich von den letzten Tagen erholen zu können, ging
aber trotzdem aus Neugierde mit.
Als ich aber dann das `Office` sah,
wurden meine Augen vor Staunen groß und mein Mund stand wahrscheinlich
sehr weit offen. In einem Keller erwartete mich ein kleines Paradies:
Sauna, Bassin, eine riesengroße Dusche, ein eigenes Zimmer mit Bett und
eine dazugehörende Bar gleich nebenan. Mir gingen alle möglichen
Gedanken durch den Kopf, als ich das sah. Was war hier los? Was geschah
mit mir? Doch die Aufklärung folgte schnell. Mir wurde auf russisch
erklärt: Vor eineinhalb Jahren lebte Emanuel Aries, ein französischer
Fahrradfahrer, der mit dem Fahrrad von Paris nach Indien unterwegs
gewesen war, einen Monat in diesem Saunaparadies von Valera und seiner
Frau Valentina und öffnete so ihre Herzen für Fahrradglobetrotter.
Nach viel Keksen und
Tee drückten sie mir den Schlüssel in die Hand und ließen mich ausruhen.
Am Abend ging es dann in die Sauna - ein Traum! Nun kann ich mich immer
in der Bar mit den netten Bedienungen unterhalten und bekomme sehr gutes
Essen. Zahlen darf ich übrigens für das alles nichts.
Ich bin nun schon
den vierten Tag in dieser Perle an der Wolga, die vor 450 Jahren als
Handelszentrum am Rande der großen Steppe Kasachstans, zwischen dem
fernen Orient und Europa gegründet wurde und heute, da es vom zweiten
Weltkrieg weitgehend verschont blieb, mit ihrem Wahrzeichen, dem Kreml,
vielen alten Häusern und der „Mutter“ Wolga ein liebreizendes Stadtbild
abgibt. (100000 Einwohner)
Diese Stadt ist ein
wahrer Schmelztiegel von Kulturen. 150 verschiedene Nationalitäten
leben hier Seite an Seite an der Grenze zwischen Asien und Europa.
Der Große Markt in der Nähe
des Bahnhofs ist, wenn man es nicht gewohnt ist, das reinste Chaos.
Winzige Gänge zwischen den Ständen, in denen sich große Menschenmassen
drängen, keine Orientierungsmöglichkeiten. Wenn man hingegen im
richtigen Viertel des Marktes anlangt, kann man für ein paar Rubel, bzw.
für noch weniger Cent, die tollsten russischen Torten, frittierte
Teigtaschen mit Kartoschka -und Kapuskafüllung (Kartoffel und Kohl)
kaufen und die Siemitschki, die Sonnenblumenkerne, die man überall auf
jeder Bank, an jeder Ecke ißt.
Wie sich immer ein
Zufall an den anderen anfügt, so kam die Kunde meines Aufenthalts auch
ans Radio. Prompt wurde ich auch gleich interviewt.
Es gibt hier auch
ein „deutsch-russisches“ Haus. Dort lernte ich Valera (Valera ist ein
sehr häufiger Name hier), ein russischer Deutschstudent, der acht Jahre
in Berlin gelebt hat, kennen. Es tat sehr gut, mal wieder richtig
deutsch zu sprechen, denn sonst kann ich mich nur meinem Tagebuch auf
deutsch mitteilen.
Insgesamt bleibe ich
in Wolgograd eine Woche und bereite mich auf die wohl schwierigste
Etappe meiner Reise vor, die ich am 22.6. beginnen werde. 2700Kilometer
durch die kasachische Steppe. Besiedlungsdichte unter einem Einwohner
pro Quadratkilometer, Strassen, soweit asphaltiert in sehr schlechtem
Zustand (wie ich hier im deutsch-russischen Haus erfahren habe, mit
Schlaglöchern von mehr als einem Meter Tiefe) Dörfer extrem weit
voneinander entfernt, Wasser sehr verunreinigt, Temperaturen von 50Grad
Celsius voraussichtlich wieder gnadenloser Gegenwind.
Also beste
Bedingungen, um neue Abenteuer zu erleben!
Bis
dann Michael